Noordoostpolder

Noordoostpolder ist ein besonderes Gebiet. Er wurde inmitten eines Gewässers angelegt, das zehn Jahre vor seiner Trockenlegung noch zur See gehörte. Doch auch diese See gab es nicht schon immer. Bevor die Zuiderzee entstanden war gab es hier bereits einmal Land, auf dem Menschen wohnten. Schokland war der letzte Rest, der von diesem einstigen Land übrig geblieben war. Bevor es gänzlich verschwand, wurde es mit integriert bei der Einpolderung. Heute liegt diese einstige Insel noch stets inmitten des neu gewonnenen Polderlandes. 

Der Beginn der Trockenlegung fiel zeitlich zusammen mit dem Zweiten Weltkrieg. Viele der Tausende Menschen, die hier arbeiteten (der Nordostpolder wurde größtenteils von Hand kultiviert), waren aus noch einem guten Grund hier: Sie entkamen so dem Arbeitseinsatz in Deutschland. Auch konnten sie hier in der Schilfwildnis untertauchen vor den Besatzern, die sich lange Zeit nicht in diese Gebiete wagten. 

Wieder andere hatten noch einen besonderen Grund, um bei der Landgewinnung mit zu helfen: Sie hofften, dadurch ihre Aussichten auf einen Bauernhof oder auf einen festen Arbeitsplatz zu verbessern. Bei der Kolonisierung ging es keinesfalls um willkürliche Niederlassungen. Vielmehr wurden neu hinzukommende Bewohner/-innen sehr sorgfältig ausgewählt. 

Wer es in diese Auswahl schaffte, gelangte in eine Wohnumgebung, die vollständig am Zeichentisch entworfen worden war: Gerade Wege und Kanäle und Dörfer, die mehr oder weniger kreisförmig um Emmeloord herum angeordnet waren, allesamt in etwa gleichen Abstand davon. Auch innerhalb dieser Dörfer wurde nichts dem Zufall überlassen. Die idyllische, vorindustrielle Architektur dieser Dörfer bedingte eine Gegenreaktion im Dorf Nagele. Nicht, dass dort etwa irgendetwas am Zeichentisch entworfen wurde. Ganz im Gegenteil. Ein komplettes Dorf wurde hier gebaut anhand der Richtlinien der Neuen Bauweise. 

Im Lauf der Jahre hat sich viel verändert. Doch auch heute noch sind die Spuren der Geschichte im Nordostpolder deutlich zu erkennen. Deren tatsächlicher Ursprung könnte jedoch im Nebel der Geschichte verschwunden sein. Nicht jedem ist beispielsweise bekannt, weshalb es im südöstlichen Teil des Polders ein Dorf mit lauter flachen Dächern, rechtwinklig angeordneten Konstrukten und offenen Freiflächen in deren Mitte gibt. Auch werden viele nicht wissen, dass es östlich dieses Dorfes, noch stets im Polder, eine Küstenbefestigung und einen trocken gelegten Hafen gibt. Und den meisten wird auch unbekannt sein, dass noch etwas weiter östlich Experimente mit Flugzeugen und Wasserläufen gemacht wurden. Oder dass die Zusammensetzung der Bevölkerung in den Anfangsjahren des Polders das Ergebnis eines sozialen Experimentes war. 

Information zu solchen und weiteren Besonderheiten finden Sie im Kanon "Der Nordostpolder". Dieser Kanon fügt den bestehenden Kanons der Niederlande und Flevolands lokalspezifische Kenntnis bei. Ausgangspunkt ist dabei derselbe wie bei den anderen Kanons: Auch der Kanon "Der Nordostpolder beschreibt das, was jede(r) wissen sollte über die Geschichte dieses Gebiets. Dies trägt bei zu unserer Identität und macht teilweise aus, wer wir sind. Wir werden durch unsere Vergangenheit beeinflusst. Und diese ist kein Buch, das einfach geschlossen wurde. Die Vergangenheit wirkt bis heute nach in allem, was der Nordostpolder heute ist.